CDU Hamm Süden

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Ein Stück Geschichte

Schnadegang der Ortsunion Berge und der Ortsunion Süden am 23. 04. 2012


Mehr als 30 Mitglieder der Ortsverbände Berge und Süden nahmen gestern am Schnadegang zu
dem 2002 gesetzten Stein teil.

Die entwendete Gedenktafel wurde im Beisein des Landtagskandidaten –Oskar Burkert – ersetzt.

Die Geschichte der Schnadegänge aus dem 17.Jahrhundert wurde noch einmal erwähnt. Allerdings ist die seinerzeitige Sitte, den Kindern das Gesäß zu versohlen oder „Backpfeifen“ zu verteilen nicht fortgesetzt worden.

Auswüchse hat es bei der Veranstaltung nicht gegeben, so dass hier Schnadegänge nicht verboten werden müssen, wie am 03. Februar 1841, wegen der seinerzeitigen Exzesse.

Die Geschichte zum Schnadegang lesen:

Geschichte

Zurückzuführen sind die Rundgänge auf Streitigkeiten der Orte wegen angeblicher oder
tatsächlicher Grenzverschiebungen.

Früher dienten Waldschneisen, Bäche, Hecken oder Gräben als Grenzmarkierung. Bis zum
17. Jahrhundert dienten zur Markierung auch eigens gepflanzte Bäume, in die man mit der
Axt ein Kreuz hineinschlug, dann ging man zur Verwendung von Grenzsteinen (Hütesteinen)
über. Diese bestehen häufig aus einem anderen Material als die Gesteine aus der Umgebung,
damit man die Grenzsteine besser von den natürlichen Steinen unterscheiden kann.

Es war Pflicht der Grenzgänger, ihre heranwachsenden Kinder, insbesondere die Jungen,
mitzunehmen. An markanten Begrenzungspunkten versohlten sie den Kindern das Gesäß,
gaben ihnen "Backpfeifen" oder stießen sie unsanft gegen den Begrenzungspunkt, um ihnen
den Grenzverlauf nachhaltig "einzubläuen". « (Pier-Bohne, S.227).

An diese Sitte erinnert noch heute das sog. "Stutz-Äsen", d.h. ein Stoßen der
Verantwortlichen auf den Stein mit dem Allerwertesten, damit sie sich den Standort des
Grenzverlaufs besser merken.

Verbot in Preußen
Nach der Einführung des Grundsteuerkatasters wurden sie in einer Verfügung des
preußischen Innenministeriums vom 6. Juli 1817 für nicht mehr notwendig erklärt.
Im "Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg" vom 3. Februar 1841 wurde der
Schnadegang schließlich verboten:
„Die an einigen Orten noch üblichen Grenz- und Schnadenzüge haben in der neueren Zeit,
zur Verübung mehrerer grober Exzesse Veranlassung gegeben. Da derartige Züge in der

jetzigen Zeit keinen Nutzen mehr gewähren, weil bei der vollendeten Katastrirung des
Grund und Bodens eine Verdunklung der Grenzen nicht leicht möglich ist, eintretendenfalls
aber ohne Theilnahme der einzelnen Gemeindeglieder von den Behörden gehoben
werden kann, so werden diese bisher an einigen Orten noch übliche Grenzzüge, in Folge
Bestimmung des Königlichen Ministerium des Innern und der Polizei ganz untersagt, und
sämmtliche Ortsbehörden sowie die Königlichen Landrräthe unseres Bezirks hiedurch
angewiesen, Niemanden zur Veranstaltung eines Grenzzuges, welcher die Begehung einer
Jagd-, Gemarkungs- oder Gemeindegrenze durch die Gemeindeglieder oder sonstiger bei
Feststellung der Grenzen nicht interessirter Personen zum Zweck hat, die Erlaubnis zu
ertheilen.“
So geriet im preußischen Staat der Brauch des Schnadezuges vielerorts in Vergessenheit.

Diese alte Tradition ließen die beiden Ortsverbände wieder aufleben, trafen sich und gingen
gemeinsam zum Grenzstein zwischen Berge und Hamm-Süden auf dem Grüner Weg.

Dort wurde im Jahr 2005 eine Gedenktafel durch die beiden Ortsverbände angebracht, die
jedoch entwendet wurde.
Dies nahmen jetzt die beiden Ortsunionen zu Anlass, die Gedenktafel zu erneuern. Hierbei
waren insgesamt
Personen anwesend.
An die Historie und Bedeutung der Schnadegänge und Schnadesteine wurde erinnert.
Die Einweihung der neuen Gedenktafel wurde an Ort und Stelle mit einem Glas Sekt gefeiert.

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